Stellungnahme zur Westfalia-Planung in Herdecke

In Herdecke wird seit mehreren Jahren über die Umgestaltung der Westfalia-Fläche diskutiert. Das ehemalige Werksgelände in der südwestlichen Innenstadt wurde fast 200 Jahre lang industriell-gewerblich genutzt – bis 1966 von der Blaufärberei Habig und anschließend bis zur Standortschließung 2003 (bzw. bis zur Werksräumung 2005) vom Melktechnikhersteller Westfalia (ursprünglich Westfalia Separator, 1996 ausgegliedert unter dem Namen WestfaliaSurge, heute GEA Farm Technologies).

Der alte Fabrikbereich ist etwa sieben Hektar groß und quasi vollständig versiegelt. Er befindet sich in der Nähe der Ruhr im Bereich der Flussaue. Seit Herbst letzten Jahres sind dort Abbrucharbeiten im Gange. Zwischen Werksgelände und Ruhr liegt das „Ruhrvorland“, eine rund drei Hektar große, ehemals landwirtschaftlich genutzte Grünfläche. Momentan zählt sie noch größtenteils zum Landschaftsschutzgebiet 2.2.21 (Teilbereich Ruhraue Herdecke).

Herdecker Ruhraue mit Viadukt

Ruhrvorland mit Eisenbahn-Viadukt

Herdecker Ruhraue mit Ruhrtal-Radweg und Westfalia-Gebäuden

Ruhrtalradweg und Westfalia-Gebäude

Was kann und was soll mit der brachliegenden Gewerbefläche geschehen? – Frühzeitige Planungswerkstätten ließen viele Menschen träumen: von günstigem Wohnen in exklusiver Lage, von idyllischen Grachtlandschaften, von einer Umgehungsstraße („Westtangente“), von einem Vergnügungszentrum mit Eisdielen direkt am Ruhrtalradweg, von einer Diskothek in der (mittlerweile abgerissenen) Fliegerhalle, von einem neuen Großarbeitgeber, von einem modernen Fachwerkviertel, von Einkaufsparadiesen, von einem naturnahen Erholungspark mit Hundewiese und Blick auf den Viadukt u.v.m.

Einige Ideen wurden recht schnell verworfen, andere hielten sich eine Weile, und wieder andere tauchten erst jüngst auf. Manche Ideen hatten über die Jahre Bestand und haben Eingang in Bebauungsplanentwürfe gefunden. Wie das meist so ist, blieben von den ganzen Begehrlichen vornehmlich die finanzierbaren übrig – und diejenigen, die weder dem Verwertungsinteresse des Flächeneigentümers noch den allgemeinen stadtplanerischen Zielen von Verwaltung und Lokalpolitik (u.a. „Öffnung der Innenstadt zur Ruhr“) entgegen stehen.

Ruhraue und Westfalia-Gelände in Herdecke

Ruhraue und Westfalia-Gelände

Westfalia-Gelände

Werksgelände

Im Kern soll nun aus dem bisher komplett abgeriegelten Gewerbekomplex ein neues „Stadtquartier“ mit Einzelhandel, Dienstleistungen, Seniorenzentrum, großem Parkplatz und Wohnbebauung werden. Außerdem ist auf dem Gelände eine Umgehungsstraße zur Entlastung des Stadtzentrums geplant.

Auch im Ruhrvorland soll etwas geändert werden. Die Neubebauung soll sich nämlich nicht an der alten Gebäudekante orientieren, sondern auf breiter Front in Richtung Ruhr vorrücken. Dafür soll u.a. ein kleiner Teil (665 m²) des „Wiesenparkplatzes“ entsiegelt werden. In der Summe ergibt sich eine über den Ist-Zustand hinaus gehende Flächenversiegelung.

Ausführlich vorgestellt wird die kommunale „Planung Westfalia“ auf der städtischen Website. Der Dortmunder Investor präsentiert sein Vorhaben ebenfalls im Internet, einschließlich Exposé.

Infotafel zum „Quartier Ruhr-Aue“

„Quartier Ruhr-Aue“

Alternativlos?

Alternativlos?

Die aktuellen Pläne sind nicht unumstritten. Mit zunehmender Konkretisierung stieß das Vorhaben auf wachsenden Widerstand. Die „Aktion Westfalia“ gründete sich und machte insbesondere gegen das von ihr als „monströs“ bezeichnete Einzelhandelsprojekt mobil. Andere stießen sich v.a. an der Ausgestaltung der geplanten „Seniorenresidenz“ (wahlweise auch als „Altenpflegeheim“ oder „betreutes Wohnen“ in der Diskussion). Ein wesentlicher Kritikpunkt dürfte für viele Menschen schlicht die Massivität und Höhe der geplanten Gebäude sein, und auch die Enttäuschung über geplatzte Träume, die vor Jahren noch hochtrabend als realisierbar verkündet wurden, dürfte eine Rolle spielen. In Gesprächen wurde zudem häufig deutlich, dass die Pläne für diese „1A-Lage“ einerseits als zu gewöhnlich („solche Einkaufszentrum gibt es schon anderswo genug“) und andererseits als zu bürgerfern („ein neues Exklusivviertel für Betuchte“) empfunden werden – eine Diskrepanz, die sich vermutlich nur schlecht auflösen lässt.

Kürzlich, im April 2011, hatte der Rat der Stadt Herdecke mehrheitlich (bei 3 Gegenstimmen) die öffentliche Auslegung des Bebauungsplanentwurfs für den östlichen „Teil II“ des Geländes sowie der grundlegenden Flächennutzungsplanänderung fürs Gesamtareal beschlossen. Hinzu kam noch die Fortschreibung des sog. „Zentrenkonzepts“. Das ist ein Einzelhandelsgutachten, in dem fürs ganze Stadtgebiet (auch fürs Westfalia-Gelände) Leitziele, zentrale Vorsorgungsbereiche und Sortimentslisten bestimmt wurden.

BUND-Stellungnahme zu Westfalia (PDF)Die Beteiligung der Öffentlichkeit („Bürgerbeteiligung“) bei Bebauungs- und Flächennutzungsplänen ist ebenso wie die Behördenbeteiligung (z.B. von Nachbargemeinden und Fachbehörden des Ennepe-Ruhr-Kreises) ein nach Baugesetzbuch vorgeschriebener Verfahrensschritt, bei dem innerhalb eines mehrwöchigen Zeitraums Stellungnahmen eingereicht werden können. Anregungen und Einwände müssen anschließend von Verwaltung und Politik ausgewertet und abgewogen werden.

Im Rahmen dieser Beteiligung haben wir jetzt eine Stellungnahme abgegeben, die sie hier als PDF-Datei herunterladen können. Im Wesentlichen kritisieren wir darin die geplante Nettoneuversiegelung in der Ruhraue, die aus Naturschutzsicht nur negativ zu bewerten ist. Gerade in ökologisch langfristig relevanten Überschwemmungs- bzw. Auenbereichen sind zusätzliche Bodenversiegelungen grundsätzlich zu vermeiden oder – wie jede Flächeninanspruchnahme – aufs „notwendige Maß“ zu beschränken. Es muss folglich gut begründet und dokumentiert werden, warum sich die weitere Ausdehnung der Bebauung nicht vermeiden lässt. Eine entsprechende Begründung können wir in den vorliegenden Planunterlagen allerdings nicht erkennen. Da es sich um eine komplette Neuplanung handelt und im westlichen Areal („Teil III“) noch freie Flächen zur Verfügung stehen (über deren Nutzung bislang nicht näher entschieden wurde), kann zumindest nicht mit Flächenknappheit und „zwingend notwendiger“ Inanspruchnahme bislang unbebauter Bereiche argumentiert werden. Auch angesichts der vorhandenen planerischen Spielräume innerhalb des östlichen Teilbereichs (z.B. bei der Gebäudeanordnung und beim Parkplatzkonzept) dürfte es fraglich sein, ob solch eine Begründung noch gefunden werden kann.

Vortrag über Eulen in Witten und Umgebung

Die Naturschutzgruppe Witten (NaWit) bietet auch in diesem Jahr wieder einige interessante Veranstaltungen an. Am Mittwoch, den 25. Mai 2011 lädt sie um 19.00 Uhr in den Kinosaal vom Haus Witten, Ruhrstr. 86, ein. Dort wird Gerald Sell bei einem Bildervortrag die in Witten und Umgebung vorkommenden heimischen Eulenarten und ihre Lebensweise vorstellen.

Die Teilnahmegebühr beträgt 3,- Euro. Eine ergänzende Abendexkursion ist zudem für Freitag, den 27. Mai geplant. Informationen dazu gibt es bei dem Vortrag.

Ökostrom-Infoabend in Wetter

Ökostrom-Infoveranstaltung in Wetter 2011Der Verein Lokale Agenda 21 Wetter Ruhr lädt am Freitag, den 6. Mai 2011 um 19.00 Uhr zu einem unterhaltsamen Ökostrom-Abend ein. Unsere BUND-Ortsgruppe ist u.a. mit einem Infostand beteiligt. Veranstaltungsort ist der Saal der Ev.-Freikirchlichen Gemeinde Wetter-Grundschöttel in der Grundschötteler Str. 48–50. Der Eintritt ist frei.

Das Motto der Veranstaltung lautet „Informationen pur. Essen in Happen. Kultur von hier!“ – neben den Infos zum Thema Strom bzw. Ökostrom gibt es also mehrere „kulturelle Programmeinlagen“ sowie Speis und Trank. Auch einige Unternehmen sind mit von der Partie. Sowohl die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) als auch Lichtblick und Naturstrom sind reine Ökostromanbieter und werden von der Aktion „Atomausstieg selber machen“ sowie vom BUND empfohlen. Als lokales Unternehmen beteiligt sich außerdem die AVU, die einige Ökostrom-Tarife im Angebot hat, sich allerdings zu 50 Prozent im Besitz des Atomkonzerns RWE befindet. Interessenten können sich bei der Veranstaltung Hilfe beim Anbieterwechsel holen.

Für den BUND ist der weitere ökologisch verträgliche Ausbau der erneuerbaren Energien von zentraler Bedeutung für die künftige Energieversorgung. Wir rufen alle Menschen im Atomland NRW, die es noch nicht getan haben, auf: Wechseln Sie jetzt zu Ökostrom! Denn nur wenn die Erneuerbaren möglichst schnell einen großen Teil unserer Stromversorgung übernehmen, sind Kohle- und Atomkraftwerke bald Vergangenheit.

Zweite Stellungnahme zum geplanten Gewerbegebiet „Am Stork“

Zweite BUND-Stellungnahme zum Stork (PDF)Heute, am 18. April 2011 endete bei der Stadt Wetter (Ruhr) mal wieder eine Abgabefrist für Stellungnahmen – dieses Mal zum zweiten Bebauungsplanentwurf Nr. 60 „Gewerbegebiet Am Stork“. Sie können jetzt hier die neue BUND-Stellungnahme als PDF-Datei ansehen und herunterladen. Auf konkrete wie allgemeine Rückmeldungen zum Thema sind wir wie immer gespannt.

Bereits 2009 hatten wir unsere Ablehnung dieses in Volmarstein geplanten Bauvorhabens ausführlich erläutert – damals zum ersten Bebauungsplanentwurf. Ein kleiner Teil der Einwände und Anregungen wurde anschließend von Politik und Planern aufgegriffen. Vor ein paar Wochen wurde dann ein überarbeiteter Entwurf vorgelegt. Aus Naturschutzsicht sind damit erfreulicherweise einige der „ganz großen Klöpse“ weggefallen. Dennoch haben viele Probleme im neuen Entwurf weiterhin Bestand und neue Probleme sind hinzu gekommen. Kernpunkt unserer Kritik ist der unverhältnismäßig hohe Flächenverbrauch im Landschaftsschutzgebiet. Planungsrechtlich weist auch der geänderte Entwurf nicht unerhebliche Probleme auf. Unseres Erachtens dürfte er so kaum haltbar sein.

Siepen des Berger Bachs am Stork in Wetter

Quellnaher Siepen des Berger Bachs am Stork

Eher unerquicklich waren übrigens die Stellungnahmen der Verwaltung, die diese im Rahmen der gesetzlichen Abwägung für die Lokalpolitiker erstellt hatte. Sie gingen in etlichen Bereichen gar nicht näher auf konkrete Anregungen ein oder schlicht am Thema vorbei, in einigen Bereichen waren sie sogar sachlich unzutreffend. Wer mag, kann sich das gut 30 MB große Gesamtpaket momentan noch herunterladen und selbst studieren. Fast eineinhalb Jahre hat es gedauert, bis die gesammelten Stellungnahmen von diversen Institutionen und von Bürgern, u.a. auch von der IG Stork, veröffentlicht wurden. Die Politiker vor Ort zeigten leider (mit wenigen Ausnahmen) in der letzten Sondersitzung des Bauausschusses im Februar 2011, bei der die Offenlage des zweiten Entwurfs beschlossen wurde, kein gesteigertes Interesse an einer sauberen Abwägung. Beanstandungen oder Rückfragen gab es nur sehr wenige. Mehrheitlich trugen sie die von der Verwaltung vorgenommenen Bewertungen und Begründungen unverändert mit.

Ergänzung: Weitere Informationen zum Thema gibt es bei der IG Stork.

Amphibienschutz in Herdecke 2011

Auch in diesem Jahr betreuen wir wieder ehrenamtlich den Amphibienschutzzaun an der Ender Talstraße in Herdecke. Nach dem Zaunaufbau am 14. März 2011 (unterstützt von den Technischen Betrieben Herdecke) werden wir die Sammelstrecke in den nächsten Wochen regelmäßig kontrollieren und die gefundenen Tiere über die Kreisstraße zum Laichgewässer bringen. Im letzten Jahr konnten wir so über 1100 Tiere vor dem Straßentod retten.

Erdkrötenpärchen

Erdkrötenpärchen kurz vorm Laichgewässer am Kallenberg

Die Stadt Herdecke informiert über die Schutzmaßnahmen im Stadtgebiet und schreibt dabei sehr anschaulich: „Erdkröte, Grasfrosch, Molch und Feuersalamander – alle Jahre wieder haben sie das gleiche Ziel: Einen gemütlichen Tümpel suchen, einen netten Partner finden, für die Arterhaltung sorgen.“ – Die Lokalpresse berichtet ebenfalls über die Maßnahmen.

Am Samstag, den 19. März 2011 um 10.30 Uhr laden wir alle Natur- und Tierfreunde, die sich für Amphibien interessieren, zu einem Infotreffen in Kirchende ein. Treffpunkt ist der Dorfbrunnen. Je nach Wetterlage und Interesse unternehmen wir dann entweder einen kleinen Spaziergang zum Laichgewässer (Nähe Haus Kallenberg) oder kehren im Café am Dorfplatz ein. Dabei möchten wir über die verschiedenen Lurcharten in Herdecke und ihre Lebensweise sowie über unsere Aktion informieren. Und wer eventuell selbst mal mithelfen möchte, kann uns direkt kennenlernen.

Feuersalamander und Erdkröte auf Asphalt

Feuersalamander und Erdkröte unterwegs

Wir freuen uns natürlich über weitere Mithelfer. Gesammelt wird entlang der gut 300 m langen Zaunstrecke täglich morgens und abends in einem Zeitraum von etwa vier bis sechs Wochen. Ein Einsatz dauert erfahrungsgemäß gut 15–20 Minuten, nur an einigen wenigen Tagen – wenn besonders viele der dämmerungs- und nachtaktiven Lurche auf einmal unterwegs sind – auch etwas länger. Das geschieht aber eigentlich nur, wenn es nachts besonders warm und gleichzeitig feucht ist. Sie können also mit relativ geringem Zeiteinsatz viel zum Tierschutz beitragen, auch dann, wenn Sie z.B. nur an einem Tag in der Woche eine halbe Stunde Zeit erübrigen können.

Falls Sie sich für die Aktion interessieren, jedoch am Samstag, den 19. März keine Zeit haben: Wir sind auch per E-Mail erreichbar.

Wir sind übrigens auch im bundesweiten Projektverzeichnis des BUND eingetragen. Dort finden Sie viele weitere Informationen. (Achtung: Die Website hat durch aufwändigen Flash-Einsatz eine längere Anfangsladezeit. Wenn aber erstmal die Deutschlandkarte geladen ist, dann lässt sich die Oberfläche recht schnell bedienen.)

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